Trump sei Dank

Twitterfeed: 2017 war in vieler Hinsicht ein eher ernüchterndes Jahr. Das absolute Lowlight war sicher aber die Bundestagswahl mit all ihren Folgen. Es hat sich herauskristallisiert, dass das Dreschen hohler Phrasen nicht mehr zu Erfolg führt. Und damit meine ich nicht die AFD. Ich meine tatsächlich die etablierten Parteien. Und bis zu einem gewissen Grade verdanken wir es tatsächlich Donald Trump. Der mag eine Menge Quatsch erzählen (bzw. twittern), aber er redet nicht um den heißen Brei. Er verspricht der breiten Masse, was sie hören will. Und wirklich interessant wird es, weil er gewillt zu sein scheint, seine Versprechungen auch noch einzulösen, egal wie dämlich sie sind. #Hört auf uns zu verscheißern, dann wählen wir euch auch wieder.

Es mag hart klingen, aber wenn jemand zum Präsidenten gewählt wird, der verspricht die universelle Krankenversicherung abzuschaffen und die Steuern für Superreiche zu senken, darf sich das Volk hinterher nicht beschweren, wenn er genau das tut. Und die Mauer zu Mexiko gern auch. Die blöden Gesichter möchte ich sehen, wenn die Farmer plötzlich keine Erntehelfer mehr haben und die Preise für Personal durch die Decke schießen. Da trifft es dann auch mal die Richtigen. Ich würde mir dieselbe Konsequenz auch in Deutschland wünschen. Leider scheitert das schon an den Wahlkampfversprechen. Die sind so wolkig und verschwurbelt, die Produzenten dieser heißen Luft wissen vermutlich selber nicht, was sie uns sagen wollten. Oder habt ihr eine Erklärung für den Satz: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“.

Hey, da bin ich auch für. Was genau heißt das liebe CDU? Gibt es dieses Jahr einen weniger verregneten Sommer? Weniger Stau, kostenlosen Nahverkehr, pünktliche Züge? Kostenlose Kitaplätze? Oder weniger Steuern? All das würde Deutschland in meinen Augen attraktiver machen. Ich weiß nur nicht, worauf ihr euch bezieht! Oder darf ich mir was aussuchen und ihr macht das dann?

Zeit für mehr Gerechtigkeit. Tja liebe SPD, wieviel Zeit wollt ihr euch noch nehmen? Oder soll ich das anders herum lesen und wir sollen uns nach einer neuen Partei umsehen, die sich tatsächlich um Gerechtigkeit kümmert? Was heißt eigentlich Gerechtigkeit? Bedingungsloses Grundeinkommen? Gleiches Recht für alle? Also keine Ausnahmen mehr für Leute, die sich einen Anwalt oder Steuerberater leisten können? Ich hätte gern etwas mehr Fleisch an dem Knochen, den ihr mir da hingeworfen habt.

Und die anderen Parteien sind auch nicht besser. Denken wir neu (FDP), Zukunft wird aus Mut gemacht (Die Grünen), Sozial. Gerecht. Für alle (Die Linke). Was sagt uns das?

Auch im Kleinen sind die Parolen nicht besser. „Ungeduld ist auch eine Tugend“. Kurze Antwort: Nein, und ganz besonders Nein in der Politik. Schnellschüsse gehen im größeren Rahmen eigentlich immer nach hinten los. Auf FDP Solgans zu gucken ist aber eh freudlos. Diese gequirlte Sch… die FDP ist eindeutig aus purer Verzweifelung gewählt worden. Sie sind nicht die CDU/SPD. Eine andere Erklärung habe ich dafür nicht.

Schauen wir mal den Linken. Die müssten im Wahlkampf eigentlich in der Pole Position sein. Und was kommt? „Glaubwürdigkeit für Gerechtigkeit“ – häh? „Entschieden gegen rechte Hetze.“ Ja, bin ich dafür. Ich bin sogar gegen Hetze jedweder Art. Wie wollt ihr es erreichen? Flächendeckendes Redeverbot mit ehemaligen Stasimitarbeitern zur Überwachung? „Kinder vor Armut schützen“. Absolut! Bin ich dafür. Aber wieder die Frage: Wie geht ihr es an? Gebt ihr ihnen Geld oder den Eltern?

Die Grünen: „Zukunft kann man wollen oder machen“. Da muss ich fragen: Machen im Sinne von Dosenpfand? Weil das war das letzte große grüne Projekt, was bei mir haften geblieben ist. Nieder mit der Glasflasche, es lebe die Plastik. NEIN DANKE!

Die Sozen waren eigentlich dicht dran. „Wer als Frau 100% leistet, darf nicht 21% weniger verdienen“. Punktlandung. Es gab noch ein ähnliches Plakat im Sinne, „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, ich weiß aber nicht mehr von wem (traurig oder?). Da habt ihr recht liebe SPD. Das sagen wir aber schon seit geraumer Zeit. Passiert ist aber leider nichts und das obwohl ihr an der Macht ward. Wie wäre es denn, auf so ein Plakat eine konkrete Maßnahme zu schreiben. Und ich meine kein kompliziertes Gesetz. Fangt doch einfach mal damit an, dass alle Löhne transparent sein müssen. Sprich jeder Arbeitgeber muss transparent machen, wie viel seine Mitarbeiter verdienen und – zumindest intern – möchte ich wissen, wie viel mein Kollege verdient. Da hört es mit der Lohnungleichheit bestimmt relativ schnell auf. Weil bisher wissen die meisten Leute gar nicht, dass sie von ihrer Firma verarscht werden.

Zur CDU fällt mir leider gar nichts ein. Die Plakate sind so hohl, da kann man eigentlich nur (wie einst Martin Sonneborn) gegenplakatieren: „Inhalte überwinden“. Weil da hat die CDU definitiv einen Haken dran

Die PARTEI nehme ich von der Kritik übrigens aus. Deren 2017 Wahlkampf war nicht ganz so gut wie der letzte, aber immer noch mit weitem Abstand das Beste, was im Angebot war. Allein für ihr Plakat „Hier könnte ein Nazi hängen“ hätten sie die absolute Mehrheit im Bundestag verdient!

 

Warum also mein Dank an Trump? Steht immerhin in der Überschrift.

Ganz einfach: Für die nächste Wahl wünsche ich mir klare Ansagen! Nicht dieses „alles wird gut“ Gesülze. Konkrete Wahlversprechen wolen wir. Und zwar solche, die dann auch eingelöst werden müssen (das wäre übrigens ein tolles Gesetz: Wahlkampfversprechen müssen eingelöst werden). Und wenn die AFD mit „Ausländer Raus“ gewählt wird, dann verdienen wir es auch nicht, beim Italiener Pizza zu essen. Die Schuld würde ich allerdings auch dann aber bei den etablierten Parteien suchen, die sich dem intelligenten Diskurs mit ihrem Volk nicht gestellt haben.